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15.11.2011

Presseerklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung

Bundeskanzlerin Merkel soll sich bei Opfern des rechten Terrors entschuldigen!

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung (BAGD) fordert die Bundeskanzlerin auf, sich bei den Angehörigen der Todesopfer der neonazistischen Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ sowie den überlebenden Opfern der Nagelbombenanschläge in Köln für das komplette Versagen der Ermittlungsbehörden zu entschuldigen. „Unser Mitgefühl gehört den Opfern und ihren Angehörigen“, erklärten Sabine Seyb von der Opferberatung Reach Out und Pascal Begrich von Miteinander e.V. für die BAGD in Berlin. „Eine derartige Entschuldigung würde deutlich machen, dass das jahrelange Leiden der Familien endlich wahrgenommen wird.“ Hier müsse sich die Bundeskanzlerin an der norwegischen Regierung und deren Reaktion auf die Attentate in Oslo und Utoya orientieren. „Neonazistische Gewalt und Terror basieren auf einer Ideologie der Ungleichwertigkeit von Menschen. Die Bundesregierung muss jetzt deutlich machen, dass alle Menschen unabhängig von Hautfarbe und Herkunft geschützt werden.“

Zugleich kritisiert die Bundesarbeitsgemeinschaft die bisherigen Entpolitisierung und Verharmlosung staatlicher Behörden und politisch Verantwortlicher in Bezug auf rechte Gewalttaten. „Opferberatungsprojekte kritisieren seit Jahren, dass insbesondere rassistische Tatmotive von Ermittlungsbehörden nicht erkannt oder ernst genommen werden. „Die Strafverfolgungsbehörden dürfen die Entschlossenheit und Brutalität rechter, rassistischer und antisemitischer Täter_innen nicht länger zu verharmlosen,“ so Seybt. Begrich warnte davor, dass die Vorstufen zu organisiertem Neonaziterror flächdendeckend nicht ernst genommen würden. „Wir erleben sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland eine Zunahme von Brandanschlägen und gezielten Angriffen auf so genannte politische Gegner durch organisierte Neonazis wie gerade in Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen,“ so Begrich. „Nicht nur wir wissen, dass die Neonazibewegung den Tod von ihren Opfern billigend in Kauf nimmt.“ Bislang jedoch würden die Behörden die Bedrohung verharmlosen.

Die Bundesregierung und CDU-geführte Landesregierungen wie in Sachsen verschwendeten viel Zeit und Energie darauf, die Projekte gegen Rechtsextremismus dazu zu zwingen, eine so genannte Extremismusklausel zu unterschreiben. „Statt der Arbeit gegen Rechts von staatlicher Seite mit Misstrauen und Kontrolle zu begegnen, sollten die Expertise und Erfahrungen gefördert und unterstützt werden. Im Gegensatz zu den Geheimdiensten „stellen wir unsere Analysen der rechtsextremen Gefahr öffentlich zur Verfügung,“ so Begrich.

Zur BAGD:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung ist eine unabhängige und bundesweite Vernetzungs- und Kommunikationsplattform für Initiativen, die sich für eine demokratische Kultur im Gemeinwesen und gegen Rechtsextremismus einsetzen. Zu den Mitgliedern gehören u.a. die Beratungsstellen für Opfer rechter Gewalt und die Mobilen Beratungsteams, die Bundesarbeitsgemeinschaft der RAA und die Amadeu Antonio Stiftung. Informationen zur Bundesarbeitsgemeinschaft Demokratieentwicklung und zur Kampagne gegen die Extremismusklausel sind unter www.demokratiebrauchtuns.de zu finden.


Miteinander e.V.

Der gemeinnützige Verein Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. setzt sich für eine offene, plurale und demokratische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein. Wir arbeiten gegen Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt führen. Ein besonderes Anliegen ist uns die Stärkung demokratischer Akteur/innen der Zivilgesellschaft und nicht-rechter Jugendlicher sowie die Unterstützung von Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

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