Radikalisierung und Verschwörungsideologien

Rechtsextreme Radikalisierung erkennen

 

Rechtsextreme Lebenswelten und Organisationsformen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Bekannte Strukturen, Parteien und Zusammenschlüsse sind zugunsten modernerer Organisationsformen in den Hintergrund getreten. Wie tritt Rechtsextremismus heute in Erscheinung? Wie sind rechte Akteur*innen organisiert und was kennzeichnet ihr Auftreten? Unter diesem Fragenkomplex soll ein Überblick über die konkreten Erscheinungsformen – von kameradschaftlich organisierten Neonazis über die Identitäre Bewegung bis hin zu mediengestützten Organisations-/ Austausch-/Unterstützungsformaten – vermittelt werden. Die Teilnehmenden bekommen einen Überblick über die ideologische Nutzbarmachung bestimmter/aktueller Ereignislagen und die wesentlichen Argumentationsmuster rechtsextremer Akteur*innen.

 

Radikalisierung in den Sozialen Medien

 

Politische Skandale über rechte Äußerungen in WhatsApp oder Telegram Chats, twitternde Präsidenten und die Verbreitung von Verschwörungserzählungen und rechtsradikalen Symbolen auf Imageboards, in Chatrooms und auf Gamingplattformen rücken die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit immer mehr auf Radikalisierungsprozesse in sozialen Medien. Soziale Medien verursachen zwar keine Radikalisierung, sind aber zu entscheidenden Trägern der rechten Szene geworden. Wie nutzen Rechtsextreme das Internet und soziale Medien? Welche Bedeutung hat das Internet im Prozess der Radikalisierung? Die behandelten Themen ermöglichen den Teilnehmenden eine Einschätzung der Risiken, aber auch Präventionsmöglichkeiten in der Arbeit mit von Radikalisierung gefährdeten Personen.

 

Verschwörungsideologien

 

In Krisenzeiten haben Verschwörungserzählungen Hochkonjunktur. Dies zeigt sich im Internet genauso wie auf den verschiedenen Demonstrationen im gesamten Bundesgebiet. Dabei handelt es sich jedoch um kein neues Phänomen. Insbesondere in als krisenhaft wahrgenommenen Situationen werden Verschwörungsideologien sehr oft als Welterklärungsmodell genutzt. Dabei wird einer Gruppe vermeintlich finsterer und mächtiger Strippenzieher die Schuld am gesamten Weltgeschehen gegeben. In dieser verschwörungsideologischen Sicht auf die Welt treten antisemitische Einstellungen offen zutage. Der Themenblock widmet sich den aktuell weit verbreiteten Verschwörungserzählungen, beschreibt deren zugrunde liegende Funktionsweise.

 

Lebenswelt und rechtsextreme Radikalisierung

 

Der rechtsterroristische Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober 2019 hat Menschen in Halle und weit darüber hinaus fassungslos zurückgelassen. Sicherheitsbehörden, Politiker*innen und die Stadtgesellschaft in Halle beschäftigt seither die Frage: Wie konnte es dazu kommen? Spätestens seit das Tatvideo nach dem Anschlag auch in Klassenchats und Whatsapp-Gruppen von Jugendlichen geteilt wurde, stehen Pädagog*innen vor der Herausforderung, sich in Schule und Bildungseinrichtungen mit dem Attentat und seinen ideologischen Hintergründen auseinanderzusetzen. Die Fortbildung geht dabei folgenden Fragen nach: Welche Weltanschauung liegt dem rechtsterroristischen Attentat zugrunde? Welche Rolle spielen Soziale Medien in der Verbreitung extrem rechter Ideologien? Welchen Einfluss haben Online-und Offline-Räume auf rechte Radikalisierungsprozesse? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es in der pädagogischen Praxis?

 

Radikalisierungsprävention

 

Radikalisierung ist kein linear verlaufender Prozess, dem es nichts entgegenzusetzen gibt und der unaufhaltsam in Gewalttaten mündet. Die Veranstaltung widmet sich dem Begriff der Radikalisierungsprävention, also den Möglichkeiten Radikalisierung zu begegnen. Anhand von realen, anonymisierten Fällen aus der exemplarischen Projektarbeit der Referent*innen bekommen die Teilnehmer*innen einen Einblick in in die Praxis der Projektarbeit von FRAP und die Möglichkeiten sowie Grenzen sozialer Gruppenarbeit zur Radikalisierungsprävention.