Er fehlt.

Heute vor fünf Jahren starb Hans-Jochen Tschiche – Pfarrer, Bürgerrechtler, Politiker und Gründungsvorsitzender des Vereins Miteinander e.V.. Er war uns Freund, Wegbegleiter und Impulsgeber. Er fehlt, ebenso wie sein beständiges Engagement.

In den Jahrzehnten seines Wirkens in der DDR und im vereinigten Deutschland stritt er unermüdlich für eine freie und offene Gesellschaft. Eine seiner letzten öffentlichen Interventionen war sein Einsatz für zwei aus der Haft entlassene Sexualstraftäter im Altmarkort Insel. Die Männer hatten ihre Strafe verbüßt, suchten dort einen Neuanfang und wurden im Ort, aber auch überregional von Neonazis angefeindet und bedroht. Tschiche ergriff für sie öffentlich Partei, trat für die Gewährleistung ihrer Rechte ein. Das war – vorsichtig ausgedrückt – nicht bequem. Tschiche, so schallte es aus Leserbriefen und in Beschimpfungen vor Ort, mache sie mit Straftätern gemein. Doch politische Bequemlichkeit war nicht die Sache dieses Mannes, der Autoritäten, die sich allzu sehr in Szene zu setzen wussten, gern mit dem Bild verspottete: Man müsse den Löwen bei günstiger Gelegenheit am Schwanz ziehen und schauen, was passiert. Im Falle Insel trat Tschiche für das Rechtsstaatsprinzip ebenso ein, wie für die christlichen Gebote der Vergebung und der Barmherzigkeit. Dass trug ihm viel Feindschaft ein, die er stoisch trug.

Hans-Jochen Tschiche war Gründungsvorsitzender von Miteinander e.V. und hat dessen Arbeit über Jahre begleitet. Er war ein aufmerksamer Zuhörer, interessierter Kritiker und ein leidenschaftlicher Verteidiger der Arbeit für Demokratie. Die Gefahren eines erstarkenden Rechtsextremismus hat er nie, wie so viele andere, unterschätzt. Den Aufstieg der AfD zur tonangebenden Kraft der extremen Rechten in- und außerhalb der Parlamente hat er nicht mehr erlebt. Aber ganz bestimmt hätte er gegenüber jenen Feinden der Demokratie kein Blatt vor den Mund genommen. Tschiche ließ sich die Butter nicht vom Brot nehmen. Nicht von SED-Fürsten, nicht von Kirchenoberen und nicht von zu scheinbarer Größe aufgestiegenen Politiker*innen.

Heute denken wir froh an die Zeit, in der er uns begleitet hat. Die Erinnerung an Hans-Jochen Tschiches Mut, seinen Witz und  seinen langen Atem für Demokratie ermutigt uns – noch immer. Hajo, wir danken dir!