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Die AfD setzt auf Sieg – wir setzen dagegen.

DATUM

Acht Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommentiert unser Kollege David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus heute in der taz die Herausforderungen (nicht nur) für die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland. Wir dokumentieren im folgenden eine gekürzte Version seines Beitrags. Den vollständigen Artikel finden Sie hier.

Heute in acht Monaten, am 6. September 2026, findet in Sachsen-Anhalt die Landtagswahl statt. Unwahrscheinlich, aber nicht gänzlich ausgeschlossen: eine AfD-Alleinregierung in Magdeburg. Dies wäre ein Bruch in der politischen Kultur des Bundesrepublik. Die Folgen für alle, die zwischen Altmark und Zeitz der Ideenwelt der AfD oppositionell gegenüber stehen, aber auch für Teile der Wirtschaft, wären gravierend. Einmal an der Regierung nähme die AfD direkten Zugriff auf exekutive Macht und könnte die Gesellschaftspolitik im Land tiefgreifend verändern.

Die Tatsache, dass im gesamten Land Sachsen-Anhalt ungefähr so viele Menschen leben wie in NRW in einem Regierungsbezirk, und dass bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg im März mehr Menschen der AfD ihre Stimme geben werden als in dem ostdeutschen Bundesland, lässt die Wahl in Sachsen-Anhalt nicht ganz so bedeutsam für die Bundespolitik erscheinen. Doch das ist ein Irrtum. Im Falle einer Regierungsübernahme würde die extrem rechte Partei Sachsen-Anhalt binnen kurzem in ein Labor für den autoritären Umbau der Gesellschaft verwandeln. Sie wird ausprobieren, wie weit man es auf Landesebene mit der Durchsetzung rechter Politik treiben kann.

So viel ist klar: In der Bildung, den Medien, der Kultur und der Repräsentanz von Minderheiten ließe die AfD keinen Stein auf dem anderen. Die Ergebnisse dessen würden mit einem gewissen Zeitverzug dann im Westen zur Anwendung kommen. Eine Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt ist aus Sicht der AfD nur der erste Stein einer Dominoreihe, der ihr noch ganz andere Pforten der Macht öffnen soll. In einer Umfrage von Oktober 2025 steht die AfD in Sachsen-Anhalt bei vierzig Prozent. Mit diesem Umfragewert im Rücken arbeitet die Landespartei in sozialen Medien intensiv an der politischen Suggestion, ihr Weg an die Macht sei unaufhaltsam.

Doch das Gegenteil trifft ebenso zu. Die Erwartung in der Partei und ihrer Kernanhängerschaft, die AfD stelle ab September 2026 in Sachsen-Anhalt die Regierung, scheint inzwischen so stark, dass ein Ausbleiben dieses Erfolgs eine schwere Niederlage für die Partei und ihre über Sachsen-Anhalt hinaus reichenden Machtambitionen bedeuten würde. Die Partei setzt auf Sieg und darauf, dass die Vorwürfe der Vetternwirtschaft von Seiten innerparteilicher Kritiker beim Wähler ungehört verhallen. In den nächsten Monaten wird es darauf ankommen, jenen entschieden Sichtbarkeit und Resonanz zu verschaffen, die die demokratische Zivilgesellschaft in all ihrer Heterogenität repräsentieren und sie zu ermutigen.

Sicher, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist nur eines unter vielen Ereignissen, die die Aufmerksamkeit einer demokratischen Öffentlichkeit und der kritischen Zivilgesellschaft 2026 beanspruchen. Die Wahlen dort wie auch in Mecklenburg-Vorpommern sollten in diesem Jahr die Aufmerksamkeitsspanne in den Metropolen durchaus stark beanspruchen. Denn in Ostdeutschland wird nichts weniger verhandelt als die Zukunft der politischen Kultur des gesamten Landes.

Aber es gibt sie, jene Menschen in Atzendorf, Aschersleben und anderswo in Ostdeutschland, die gegen den Wind von rechts außen laufen. Sie gehören ab sofort ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Den weiteren Aufstieg der AfD zu bremsen, ist eine ernste Herausforderung, die sich nicht nur in Sachsen-Anhalt stellt. Acht Monate bleiben, um die AfD vom exemplarischen Sprung an die Macht abzuhalten. Zeit ist Frist.

David Begrich