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Schwierigkeiten mit der Erinnerung
Schwarz-Weiß-Porträt der Anne Frank: junges Mädchen mit schwarzen schulterlangen Haaren, in die Kamera lächelnd

DATUM

Der Wunsch, den Namen der Kita „Anne Frank“ in Tangerhütte zu ändern, ist (nicht nur) in einer Zeit des erstarkenden Antisemitismus ein falsches Signal. Gerade jetzt braucht es eine hohe Sensibilität für die Wirkung solch zeichenhafter Umbenennungen und ein historisches Bewusstsein.

In der Debatte um die Umbenennung werden nun Stimmen laut, die die Motivation hierfür auf eine antisemitische Gesinnung zurückführen oder über den Druck, den migrantische Eltern ausübten, spekulieren. Für beides gibt es derzeit keine Belege.

Vielmehr scheint es bei Eltern und Erzieher*innen der Kita keine Idee zu geben, wie Leben und Schicksal Anne Franks altersgerecht an Kinder vermittelt werden können. Offenbar wird Erinnerungsarbeit primär als Last empfunden und nicht als Chance der Menschenrechtsbildung für Kinder wahrgenommen. Dabei gibt es erprobte pädagogische Konzepte der sensiblen Vermittlung des Schicksals jüdischer Kinder in der Zeit des Nationalsozialismus für Kinder, die es wert sind, in Tangerhütte auf ihre Anwendbarkeit angesehen zu werden.

Wir weisen die Versuche rechtsextremer Akteure, den Meinungsbildungsprozess der Elternschaft der Kita gegen Migrant*innen zu instrumentalisieren entschieden zurück. Zugleich appellieren wir an Elternschaft, Kita-Leitung und Stadtparlament, angesichts eines massiv anwachsenden Antisemitismus eine umsichtige und verantwortungsvolle Entscheidung zu treffen.