Sachsen-Anhalt-Monitor 2020

Was uns beim Lesen des Sachsen-Anhalt-Monitors 2020 auffällt: Zwar steht die Mehrheit der Menschen hinter der Demokratie und weist Menschenfeindlichkeit zurück, doch werden die Stimmen jener, die voll und ganz das Konzept Demokratie verteidigen, leiser (nehmen ab). Auch die Stimmen jener, die Ressentiments entschieden zurückweisen, nehmen ab. So stellt der Sachsen-Anhalt-Monitor fest: „Der Anteil entschiedener Demokraten ist […] zurückgegangen. Am antidemokratischen Gegenpol hat sich die Zahl derer, die der Demokratie eher ablehnend gegenüberstehen, um 3 auf 5 Prozentpunkte, sowie der entschiedenen Systemgegner von 1 auf 3 Prozentpunkte erhöht.“ Überdies erscheinen uns im Detail folgende Befunde relevant:

 

Antisemitismus

„Der Anteil derer, die den Ansichten eines sekundären Antisemitismus beipflichten, liegt deutlich höher als noch 2018. […] Im Rückblick nehmen die Zustimmungsraten insgesamt zwar nur leicht zu, aber im Vergleich zu den Jahren davor eben nicht mehr ab. Anlass zum Nachdenken geben auch hier vornehmlich die rückläufigen Anteile der antisemitische Stereotype ausdrücklich verneinenden Antworten, die sich erheblich beim klassischen Antisemitismus um bis zu 25 Prozentpunkte verringert haben.“

Menschenfeindlichkeit

Mit Blick auf Aussagen hinsichtlich Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erscheinen uns folgende Zustimmungswerte signifikant: „Es leben zu viele Ausländer in Deutschland“ sagen in Sachsen-Anhalt 23 Prozent, bundesweit nur 15,9 Prozent der Bevölkerung. Der Aussage „Die meisten Asylbewerber werden in ihrem Heimatland nicht verfolgt“ stimmen 24 Prozent in Sachsen-Anhalt und bundesweit 11,4 Prozent. „Der Lebensstandard der Deutschen wird durch die Aufnahme von Flüchtlingen sinken“ sagen bundesweit 12,4 Prozent, in Sachsen-Anhalt aber 18 Prozent. 10 Prozent der Befragten in Sachsen-Anhalt meinen, „Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden“; bundesweit stimmen dem nur 6,5 Prozent zu.

Agendaparadox

Zugleich existiert ein Agendaparadox: Es gibt in Sachsen-Anhalt eine stabile Mehrheit für Demokratie und offene Gesellschaft, diskutiert werden aber beständig rechte Identitätsthemen.

Zum Hintergrund

Heute ist im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt der „Sachsen-Anhalt-Monitor 2020“ erschienen. Seit 2007 untersucht die Studie regelmäßig die Einstellungen zum Land Sachsen-Anhalt, seinen Institutionen und zur Demokratie. Der Monitor ist für uns eine wichtige Grundlage für Analysen im Themenfeld Rechtsextremismus sowie für die landesspezifische Entwicklung von Bildungs- und Beratungsangeboten.

Everhard Holtmann, Tobias Jaeck, Kerstin Völkl: Sachsen-Anhalt-Monitor 2020. 30 Jahre Bundesland Sachsen-Anhalt, 30 Jahre Deutsche Einheit. Eine Studie des Zentrums für Sozialforschung Halle e.V. an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Auftrag der Landeszentrale für politische Bildung Sachsen-Anhalt, Halle (Saale) 2020.