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25.11.2016

zukunftsmusik. forumtheaterproduktion 2016

Aktuelle Projektpräsentation unseres Modellprojekts "Frei(T)Räume Erleben. Wege in einen demokratischen Alltag"

Raßnitz, 25.11.2016. Der ehemalige Speisesaal der Jugendanstalt Raßnitz verwandelte sich seit September in einen Theater(frei)raum, in dem Jugendliche und junge Erwachsene aus der Jugendanstalt in einem mehrmonatigen, intensiven forumtheaterpädagogischen Prozess zum Thema Zukunft arbeiteten. Die jugendlichen Schauspieler setzten sich dabei mit ihren Wünschen und Träumen auseinander. Sie reflektieren Hindernisse, die möglicherweise den Weg zu dieser wünschenswerten Zukunft verstellen könnten und entwickelten auf dieser Grundlage ein Forumtheaterstück. Mit dem Stück stellen sie Fragen und begeben sich gemeinsam mit dem Publikum auf die Suche nach verschiedenen Möglichkeiten, diese Hindernisse zu überwinden. Denn bei den Forumtheateraufführungen bleibt es nicht allein bei der Präsentation des Stücks. Die Zuschauer*innen können sich aktiv beteiligen, in die Handlung intervenieren und auf der Bühne ihre Ideen für Veränderung erproben. Thematisch setzt sich das Stück „zukunftsmusik“ mit möglichen Hindernissen bei der Jobsuche auseinander, wo - trotz aller guten Vorsätze und Bemühungen - Vorurteile oftmals alle Türen zu einer geregelten Arbeit verschließen. Forumtheater wurde vom brasilianischen Theatermacher Augusto Boal entwickelt und wird weltweit praktiziert – und ist seit 2004 fester Bestandtteil der Projektarbeit von Miteinander e.V.

Gestern, am 24.11.2016, feierten wir Premiere. Im Publikum kamen andere Inhaftierte aus der Jugendanstalt, Mitarbeiter*innen der Jugendgerichtshilfe, des Jobcenters, Richter und andere Akteur*innen der Straffälligenhilfe sowie andere Interessierte zusammen, so dass nach Ende des Stücks ca. 100 Zuschauer*innen der Forumtheatergruppe applaudierten. Der anschließende (Theater-)Dialog verlief sehr rege, viele interessante und spannende Interventionen zu den einzelnen Hindernissen konnten gemeinsam ausprobiert werden. Nach der erfolgreichen Premiere freuen wir uns nun auf die zweite Aufführung. Hier werden auch Angehörige der Schauspieler dabei sein und zusammen mit ihren Söhnen, Brüdern und Partnern - im geschützten Rahmen der Aufführung – konkrete Handlungsimpulse für das Gelingen einer wünschenswerten Zukunft außerhalb der Gefängnismauern erproben können.

Forumtheater ermöglicht dabei die Auseinandersetzung mit der eigenen Zukunft und leistet so einen Beitrag zur Vorbereitung auf die Zeit nach der Entlassung. Dabei geht es auch um Selbstbestimmung, Stärkung des Selbstwertgefühls, Möglichkeiten zur Partizipation und Reflexion. Gerade über das Thema Zukunft als Überthema eines forumtheaterpädagogischen Prozesses können verschiedenste gruppeninterne Themen gefunden und bearbeitet werden.

Der Blick auf die Zukunft ist an Wünsche und Zielvorstellungen gekoppelt, deren Erreichung an Bedingungen geknüpft ist. Gerade in Bezug auf die Legalbewährung sowohl als Vollzugsziel als auch als persönliches Ziel der Inhaftierten geht es auch immer darum, weitere freiheitsentziehende Maßnahmen zu vermeiden. Wie kann dies gelingen? Welche Hindernisse müssen auf dem Weg zur Zielerfüllung überwunden werden? Darunter versammeln sich Themen wie Ausbildung, Arbeit und das soziale Umfeld, die Einfluss auf das Wunschziel nehmen. Aber auch Themen wie Familie und Freundeskreis spielen eine zentrale Rolle. So kann zum Beispiel anknüpfend an Erfahrungen aus den Elternhäusern und Freundeskreisen der Inhaftierten zu Genderkompetenzen, Rechtsextremismus- und Radikalisierungsprävention gearbeitet werden. Auf diese Weise kann Theater zu einem zentralen Medium der geschlechterreflektierenden, menschenrechtsorientierten Methodik und Gruppenleitung werden.

„zukunftsmusik“ ist eine Produktion unseres Modellprojekts „Frei(T)Räume Erleben. Wege in einen demokratischen Alltag“. Es wurde gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ sowie durch das Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen-Anhalt.

Miteinander e.V.

Der gemeinnützige Verein Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. setzt sich für eine offene, plurale und demokratische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein. Wir arbeiten gegen Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt führen. Ein besonderes Anliegen ist uns die Stärkung demokratischer Akteur/innen der Zivilgesellschaft und nicht-rechter Jugendlicher sowie die Unterstützung von Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

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