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21.11.2012

Sachsen-Anhalt-Monitor 2012

Miteinander e.V. kritisiert fehlende Wahrnehmung des Phänomens Rassismus in Sachsen-Anhalt

Der Sachsen-Anhalt-Monitor verweist auf gravierende Defizite in der Wahrnehmung rassistischer Phänomene im Alltag. So waren 55% der Befragten der Meinung, dass „Ausländer_innen“ in Sachsen-Anhalt nie oder nur selten diskriminiert werden. „Vor dem Hintergrund der nach wie vor hohen Verbreitung von rassistischen Einstellungen, rechter Gewalt und Diskriminierung stellt sich hier eine besondere Herausforderung für die Gesellschaft.“, so Geschäftsführer Pascal Begrich am Mittwoch in Magdeburg. „Ereignisse der letzten Tage wie die Beschimpfung und Bedrohung einer Gruppe von Flüchtlingen in einem Bus in Halberstadt oder der Angriff auf einen chinesischen Studenten in Köthen zeugen erschreckend vom Alltag des Rassismus in Sachsen-Anhalt.“ Darüber hinaus verweist die Studie auf weitere alarmierende Befunde in der sachsen-anhaltischen Bevölkerung. So ist die Zustimmung zu antisemitischen Aussagen im Vergleich zu 2009 wieder gestiegen. Jede_r vierte Befragte meint, dass „Moscheen nicht in Deutsche Städte passen“. „Auch wenn die Verfasser der Studie es anders sehen, Entwarnung kann nicht gegeben werden“, fügte Begrich hinzu.

Fokus Jugendliche und junge Erwachsene

Angesichts des festgestellten Rückgangs rassistischer Einstellungen insbesondere bei Jugendlichen hat sich der Verein Miteinander erfreut gezeigt: „Anscheinend zeigen sich erste Erfolge in der Auseinandersetzung mit Neonazismus und Rassismus in der Schul- und Jugendarbeit“, sagte Begrich. „Beunruhigen jedoch muss die gestiegenen Zustimmung zu rassistischen Einstellungen der 25-34jährigen. Demnach haben wir es hier mit einer großen Zahl an Menschen zu tun, die seit Jahren gefestigte rassistische und antisemitische Einstellungen haben. Hierbei handelt es sich um jene Generation, die in den 1990er Jahren groß geworden ist. Einer Zeit, die geprägt war von rassistischer Gewalt und der Verharmlosung einer offen neonazistischen Jugendkultur.“

Kritik am wissenschaftlichen Design der Studie

Mit Blick auf Fragestellung und Auswertung des Sachsen-Anhalt-Monitors ergänzte Begrich: „Wiewohl ein Rückgang der Zustimmungsbereitschaft zu diskriminierenden und ausgrenzenden Einstellungen in der Bevölkerung erfreulich ist, sind manche Befunde der Studie aufgrund der vorgenommenen Wertung unscharf. Dies trifft insbesondere auf den Themenbereich Rassismus zu. Aufgeführt wird lediglich die Bereitschaft rassistischen Aussagen ‚voll und ganz‘ zuzustimmen, während abgemilderte Varianten der Zustimmung wie ‚stimme eher zu‘ nicht angegeben sind. Dies verzerrt das Gesamtbild.“

Kritisch sieht der Verein auch das Design mancher Fragen, welche den Teilnehmenden der Studie vorgelegt wurden: „Im Frageraster werden bestimmte Einstellungen wie etwa Nationalismus nicht explizit erfragt, andere Aspekte rechtsextremer Einstellungen werden überhaupt nicht erfasst.“ Ein umstandsloser Vergleich mit der in der Vorwoche vorgestellten Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung sieht Begrich nicht gegeben. In der Summe spiegle der Sachsen-Anhalt-Monitor die Lage insbesondere im Bereich Rassismus nur unzureichend wieder. Wenn es stimmt, dass sich rassistische Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft abgekoppelt von anderen rechtsextremen Einstellungen verfestigt haben, so muss hier genauer gefragt werden, wie diese erhoben werden können.

Eine detaillierte Analyse des Sachsen-Anhalt-Monitors durch Miteinander e.V. erscheint in Kürze in der Reihe „IMPULSE AUS AKTUELLEM ANLASS“.

Miteinander e.V.

Der gemeinnützige Verein Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. setzt sich für eine offene, plurale und demokratische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein. Wir arbeiten gegen Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt führen. Ein besonderes Anliegen ist uns die Stärkung demokratischer Akteur/innen der Zivilgesellschaft und nicht-rechter Jugendlicher sowie die Unterstützung von Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

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