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09.02.2012

An die Opfer rechter Gewalt Erinnern

Rede anlässlich des Gedenkens an den von Neonazis ermordeten Frank Böttcher

Etwa 50 Menschen nahmen am 08.02.2012 an einer Kundgebung des Büdnis gegen Rechts Magdeburg teil, die an die Ermordung Frank Böttchers durch Neonazis vor 15 Jahren erinnerte. David Begrich, Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V., hielt die Gedenkrede, die wir hier dokumentieren:

"Fünfzehn Jahre nach dem Tod von Frank Böttcher und hundert Tage nach der Entdeckung der Zwickauer Neonazizelle ist es Zeit, die Frage nach der Erinnerungskultur zu stellen. Für Frank Böttcher gibt es keinen Grabstein mehr. Wird aber jemandem das Grab genommen, so erlischt die Erinnerung. Sie wird ortlos. Alle Spuren sind verloren, wo es keinen Ort der Erinnerung gibt. Das und wie Opfer rechter Gewalt unsichtbar bleiben, zeigen die letzten Monate. Wer hat die Namen der Opfer der Zwickauer Terrorzelle präsent? Wer ihre Gesichter vor Augen? Die im Dunkeln sieht man nicht, heißt es bei Bert Brecht. Und das gilt bis heute. Für zu viele Todesopfer rechter Gewalt gibt es kein Gedenken, keine Blumen, keinen Ort, keine Minute des Schweigens nur für sie.

Der Weg zur Anerkennung Frank Böttchers als Opfer rechter Gewalt war weit. Wer sich die Protokolle der damaligen Landtagsdebatten zu Gemüte führt, ist schockiert von so viel Ignoranz, Unwissenheit und Ressentiment. Da taucht in einer Rede die Vermutung auf, Böttcher sei an den Geschehnissen nicht ganz unschuldig, ob seines Habitus. Wieder diese alte Verantwortungsumkehr? Opfer werden zu Tätern oder Mitverantwortlichen gemacht.

Wer den schmächtigen Jungen mit der Iro-Frisur kannte, weiß: Frank Böttcher war kein Gewalttäter, er war keiner, der provozierte, Sprüche klopfte. Frank Böttcher hatte eine Lehrstelle, ging gern auf Konzerte oder Partys, traf sich mit Freunden – eben was Jugendliche so tun. Frank Böttcher musste sterben, weil sein Mörder einen unbändigen Hass auf 'Punks', auf 'Zecken', 'langhaarige Schwuchteln und anderen Abschaum', wie er sagte, hatte.

Wieder und wieder kommen wir hierher, um zu sagen: Frank Böttcher und alle Todesopfer rechter Gewalt sind nicht vergessen. Die Morde der NSU und der Tod Frank Böttchers erinnern uns daran, dass es eine Arbeit bleibt, den Opfern in aller Öffentlichkeit ihre Würde zurück zu geben."

Miteinander e.V.

Der gemeinnützige Verein Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt e.V. setzt sich für eine offene, plurale und demokratische Gesellschaft in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein. Wir arbeiten gegen Rassismus, Antisemitismus und alle anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, die zu Diskriminierung, Ausgrenzung und Gewalt führen. Ein besonderes Anliegen ist uns die Stärkung demokratischer Akteur/innen der Zivilgesellschaft und nicht-rechter Jugendlicher sowie die Unterstützung von Opfern rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.

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